Geht’s noch? Du bist selbständig!!

Wer darf Dir bei Deiner selbständigen Tätigkeit reinreden?

Letzte Woche hatte ich eine Beratung mit einem tollen Team von zwei Tagespflegepersonen, die gemeinsam eine Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen gründen möchten. Wir haben uns kennengelernt und sie erzählten mir, was sie konkret vorhaben und welche Fragen sie mit mir gerne klären möchten:

Gründungsfragen

  • Rechnet sich das für uns?
  • Brauchen wir einen Steuerberater?
  • Wie geht das mit der Kranken- und Rentenversicherung?
  • Was machen wir bei Krankheit und/oder Urlaub?
  • Wie geht es weiter, wenn noch ein eigenes Kind dazukommt?

Alles Fragen, die wichtig sind und ich bin immer froh, wenn meine Kunden diese Fragen stellen. Zeigt es doch, dass sie sich mit der Selbständigkeit durchaus kritisch auseinandersetzen.

Und dann kam das…

Doch dann kam in einem Nebensatz, dass sie ihren geplanten Namen nicht nutzen dürfen und auch die Facebookseite nicht einfach veröffentlicht werden darf. Ups – was war das? Bei solchen Äußerungen hake ich sofort nach und hinterfrage diese Aussagen.

Wer verbietet den Namen? Wer hat die Oberaufsicht über die Facebook-Seite???

Und dann kam der Knaller: der Fachberaterin aus dem Tageselternverein gefällt der Name nicht und schreibt vor, dass sie einen anderen Namen nehmen sollen und diese Fachberaterin hat auch die „Weisung“ erteilt, dass Werbung erst nach Rücksprache mit ihr gemacht werden darf, also die Facebookseite erst nach „Freigabe“ durch den Tageselternverein online gehen darf.

Geht’s noch?

Wie war das mit der Freiheit der Berufsausübung in der Selbständigkeit?

Um hier mal deutlich aufzuräumen: niemand darf Euch bei Eurer Berufsausübung als selbständige Tagespflegeperson reinreden! NIEMAND!

Es dürfen Bedenken geäußert, Hinweise gegeben und Impulse gesetzt werden – doch die Entscheidung Eures unternehmerischen Handelns liegt immer bei Euch:

  • Ob Ihr einen Kooperationsvertrag unterschreibt oder nicht – Eure Entscheidung.
  • Ob Ihr eine Webseite und/oder Facebookseite veröffentlicht oder nicht – Eure Entscheidung.
  • Wie Ihr Euren Onlineauftritt gestaltet – Eure Entscheidung.
  • Welchen Namen Ihr für Eure Kindertagespflege wählt – Eure Entscheidung.
  • Ob Ihr (sofern gesetzlich erlaubt) Zusatzbeiträge von den Eltern nehmt oder nicht – Eure Entscheidung.

Intuition vs. Unsicherheit

Mich erstaunt immer, dass Tagespflegepersonen solche Vorgaben einfach schlucken und nicht auf ihre Intuition hören (die häufig ein ungutes Gefühl bei solchen Dingen hat). Warum hinterfragt Ihr dieses Vorgehen nicht konsequent?

Wenn ich das dann in den Beratungen frage, kommt oft heraus, dass sie (also die Tagespflegepersonen) sich nicht trauen, dagegen etwas zu sagen. Aha, welches Verhältnis haben wir denn da? Wie kann es sein, dass erwachsene Frauen (meist sind es Frauen in der Kindertagespflege) sich nicht trauen zu widersprechen, für sich einzustehen?

Die Krone der Unternehmerin

In diesen Situationen merke ich, dass meine Arbeit wirklich wichtig und notwendig ist. Euch möchte ich ermutigen, die Krone der Unternehmerin aufzusetzen und souverän für Euch einzustehen. Bleibt klar in Euren Entscheidungen und nehmt eine Haltung ein, die einen Umgang auf Augenhöhe ermöglicht. Augenhöhe heißt, dass niemand Euch etwas vorschreiben wird, sondern vertrauen hat, dass Ihr es richtig macht. Glaubt an Euch und weist diese Fachberaterinnen freundlich, aber bestimmt in ihre Grenzen.

Nebenbei betrachtet

Unabhängig vom bereits geschriebenen, kann diese Vorgehensweise der sehr engen Begleitung von Tagesmüttern dazu führen, dass Eure selbständige Tätigkeit bei einer Überprüfung als arbeitnehmerähnliche Beschäftigung eingeordnet und Eure Selbständigkeit als Scheinselbständigkeit beurteilt wird – und das kann dann teuer werden.

Ein gesundes Selbstbewusstsein kann man erwerben und souveränes Verhandeln kann man lernen. Wichtig ist immer Eure eigene Einstellung zu Eurer Tätigkeit und Euren Kompetenzen. Ihr seid gut und macht einen wertvollen Job, lasst Euch nichts anderes erzählen.

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